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Petra Schier: Liebe Sabine Wassermann, gerade ist dein neuer Fantasy-Roman erschienen: Das gläserne Tor Worum geht es in deinem Buch?
Sabine Wassermann: Um ein ziemlich unberechenbares Tor, das zwei Welten miteinander verbindet. Die eine, das deutsche Kaiserreich, ist steif und fortschrittlich, die andere, Argad, gefühlsbetont und altertümlich. Es geht um Liebe, die beide Welten überwindet.
PS: Wie bist du zu diesem Thema gekommen? Was hat dich daran gereizt?
SW: Thematisch war ich schon immer in der Bronzezeit beheimatet. Troja, Ägypten, Kreta ... Leider ist das bei Verlagen derzeit wenig gefragt. Also habe ich mir meine eigene bronzezeitliche Welt gebastelt. Die Idee, dass die Heldin Wasser machen kann, stammt noch aus einem alten Manuskript, das eine eher unbekannte Episode aus der griechischen Mythologie erzählt. Insofern ist das „Tor“ ein Ausflug zu meinen Schreibwurzeln. Dass die Heldin eine Frau aus unserer Welt ist, war eine Idee vom Verlag, und die gefiel mir sofort sehr gut. Nur wollte ich nicht die soundsovielte Variante von „Frau mit heutiger freiheitlicher Einstellung verschlägt es in eine Welt/Zeit, wo es sittenstreng zuging“ liefern. So gern ich solche Bücher lese, ich wollte es andersherum machen. Außerdem schwebte mir schon seit einiger Zeit ein Roman vor, der zur alten Jahrhundertwende spielt, aber es war klar, dass mit so etwas kaum ein Verlag zu begeistern ist. Also hab ich die Chance genutzt, die beiden faszinierenden, aber im historischen Roman weniger üblichen Themen miteinander zu verbinden, und – bingo. Heyne war begeistert.
PS: Was ist dir an diesem Buch besonders wichtig?
SW: Dass die Liebe eine so große Rolle spielt. Die war in keinem meiner bisherigen Romane so ausgeprägt. Dass man leichter auf kuriose Ideen kommt und sie auch tatsächlich verbraten kann.
PS: Welche Reaktionen bekommst du von deinen Lesern?
SW: Zum Glück fast nur positive. Aber die, die sich bei einem melden, reagieren ja meistens positiv, oder nicht? Die Kritiker findet man leichter, wenn man selber nach ihnen sucht.
PS: Du hast auch schon historische Romane geschrieben. Was fasziniert dich an diesem Genre besonders und wie unterscheidet es sich für dich vom Fantasy-Genre?
SW: Ich mag es, Figuren zu entdecken, die anders als heutige denken, und mittels dieser Charaktere in die jeweilige Zeit einzutauchen und Themen hervorzuholen, die die Menschen damals bewegt haben. Ob der Hintergrund nun historisch oder erfunden ist - das ist beim historischen Roman und der Fantasy sicher ähnlich. Wahrscheinlich ist es aber ganz einfach so: Ich hab keine große Lust, mich in meinen Geschichten im Hier und Jetzt aufzuhalten.
PS: Wieviel und wie lange recherchierst du für ein Buch? Und wie gehst du dabei vor?
SW: Lesen, lesen, lesen. Romane, Fachbücher, Netzartikel, alte Quellen. Wie umfassend das sein muss, hängt vom Thema ab. Für „Das Zeichen des Ketzers“, der vor dem Hintergrund des Konstanzer Konzils spielt, war fast mehr Recherche nötig, als das Schreiben Arbeit gemacht hat. Beim „Gläsernen Tor“ hat sich die Sache natürlich in Grenzen gehalten. Ist der Grundstock vorhanden, wird losgeschrieben, auch auf die Gefahr hin, dass Vieles später geändert und angepasst werden muss.
PS: Wie sieht dein (Schreib-)alltag aus und wie lange brauchst du, um ein Buch fertig zu schreiben?
SW: Der ideale Schreibtag sieht so aus, dass ich mit dem Buch im Kopf aufwache, damit ins Bett gehe und somit völlig in der Geschichte abgetaucht bin. Es kann trotzdem sein, dass ich an so einem Tag nur eine Seite tippe, aber im Großen und Ganzen steht die Rohfassung in ein paar Monaten.
PS: Wie gehst du bei der Planung eines neuen Buches vor?
SW: Es gibt eine Grundidee. Die muss auf einem einigermaßen sicheren Recherchegrund stehen, dann wird geplottet. Ich liebe es, zu plotten. Da auf Ideen zu stoßen, sind die schönsten Momente beim Schreiben.
PS: Gibt es bestimmte Rituale, die du beim Schreiben einhältst?
SW: Ich mag es, die immer gleiche Musik zum Schreiben zu hören, die dann so etwas wie ein Soundtrack zur Handlung wird. Klappt nur leider viel zu selten, weil man Musik, die solche Begeisterung auslöst, dass man sie in Dauerschleife hören kann, ja erst mal finden muss.
PS: Wo schreibst du (am liebsten)?
SW: Nachts daheim am Schreibtisch. So gern ich mir ausmale, mit einem Laptop am Strand zu sitzen – alles, was abseits der „Kopfhörer auf und ran an den Schreibtisch“-Norm ist, lenkt nur ab.
PS: Hast du ein bestimmtes Tagespensum oder setzt du dir bestimmte (Zwischen-)Ziele?
SW: Mein Antrieb ist die Begeisterung, und so schreib ich, wann ich Lust habe. Wenn ich solche zeittechnischen Überlegungen anstelle, drückt entweder ein Termin oder es stimmt was mit dem Text nicht.
PS: Wie hast du einen Verlag für dein erstes Buch gefunden? Und wie ging es danach weiter?
SW: Hab ganz klassisch Manuskripte versendet, und das klappte auch sehr schnell. Leider bekam ich einen lausigen Programmplatz, das Buch war auch nicht wirklich gut und ging unter, der Verlag lehnte das zweite ab. Bei Eichborn bekam ich ein schönes warmes Nest für meine Ägyptenromane, aber da sich der Verlag aus dem historischen Genre verabschiedet hatte, hieß es wieder Klinken putzen.
PS: Welchen Rat gibst du anderen, noch unbekannten Autoren?
SW: Wenn ich nur einen geben könnte, dann würde ich auf Andreas Eschbachs Homepage und die Rubrik „Übers Schreiben“ verweisen. Die Zeit sollte man sich nehmen, die durchzuackern, danach sind alle Fragen beantwortet. Überhaupt wäre der Rat, sich zu informieren, egal ob es um Handwerk oder Verlagssuche geht.
PS: Welche Bücher liest du derzeit am liebsten?
SW: Natürlich am liebsten Historisches. Das absolut schönste, zum Niederkien: Charlotte Lynes „Glocken von Vineta“.
PS: Liebe Sabine Wassermann, vielen Dank für dieses Interview!
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