Petra Schier

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Interview mit Oliver Buslau im Dezember 2007

Oliver Buslau, geboren 1962 in Gießen, wuchs in Koblenz auf, studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Bibliothekswissenschaft in Köln und Wien. Daneben schrieb er seit seiner Schulzeit als freier Mitarbeiter für die "Rhein-Zeitung" und den "Kölner Stadtanzeiger" und betätigte sich als Komponist.
Nach dem Studium 1990 arbeitete er im Produktmanagement von EMI Classics in Köln, später als Redakteur beim Greven’s Adressbuch-Verlag in Köln. Oliver Buslau lebt seit 1992 in Bergisch Gladbach, ist seit 1993 freier Autor und Musikjournalist. Im September 2000 gründete er als Mitherausgeber und Chefredakteur die Zeitschrift TextArt – Magazin für Kreatives Schreiben.
2000 debütierte er als Krimiautor mit dem Bergischen Krimi "Die Tote vom Johannisberg" und führte dabei seinen ich-erzählenden Wuppertaler Detektiv Remigius Rott ein, der seitdem insgesamt in vier Krimis von O. Buslau mitwirkte.
Quelle:
http://www.krimilexikon.de/buslau.htm



Petra Schier: Lieber Oliver Buslau, von dir sind bereits einige Krimis erschienen, zuletzt im Jahr 2006 Das Gift der Engel.

Worum geht es in dem Krimi?

Oliver Buslau: Hier habe ich zum ersten Mal mein Faible für den Krimi mit meinem Zweitberuf Musikjournalist zusammengebracht. Die Geschichte spielt in der Beethovenstadt Bonn, wo dem Musikkritiker Nikolaus Alban eine seltsame Partitur in die Hände fällt. Der Vorbesitzer der Noten wurde ermordet. Alban will herausfinden, von wem das Musikstück stammt. Es ist eine Arie, die aber niemand singen kann, weil sie zu schwer ist. Außerdem besitzt sie einige musikalische Merkwürdigkeiten. Am Ende kommt Alban einem (wie ich finde) interessanten Kulturphänomen auf die Spur. Natürlich spielt auch das Rheintal mit all seiner Atmosphäre eine Rolle. Die Geschichte ist geradezu romantisch.

 

PS: Warum schreibst du ausgerechnet Krimis und welchen Stellenwert haben dabei die verschiedenen Schauplätze?

OB: Viele sagen ja, dass sie Krimis schreiben, weil man in diesem Genre so gut Milieus schildern kann. Mir geht es nicht um Milieus, sondern um Personen, die ich dann gerne in die jeweiligen Landschaften stelle. So zum Beispiel den Privatdetektiv Remigius Rott, meinen Serienhelden, der in Wuppertal lebt und seine Fälle im gesamten Bergischen Land löst. Das Bergische Land ist die Gegend östlich von Köln, und es ist sehr vielseitig – auf der einen Seite sehr malerisch mit Wäldern und Mühlen, auf der anderen Seite von den Ausläufern der Großstädte Köln, Leverkusen und Düsseldorf geprägt und dort mit allen Problemen moderner Vorstädte belastet. Das ist sehr reizvolle Mischung, finde ich.

 

PS: Was ist dir an deinen Büchern besonders wichtig?

OB: Dass sie unterhaltsam sind, dass sie spannend sind. Das ist einfach gesagt, aber nicht so leicht zu erreichen, wie es sich anhört.

 

PS: Wie hast du einen Verlag für dein erstes Buch gefunden? Und wie ging es danach weiter?

OB: Ich hatte da wohl verdammtes Glück. Ich habe 1999 den ersten Rott-Krimi geschrieben („Die Tote vom Johannisberg“), weil ich halt „mal“ einen Krimi schreiben wollte. Der Emons-Verlag hat ihn prinzipiell sofort genommen, mich aber dann noch mal gehörig durch die Lektoratsmühle getrieben. Ich hätte aufstehen und mich mit dem Hinweis, dass ich ja ein geborenes Genie bin und mir so was nicht bieten lassen muss, dankend verabschieden können. Ich habe mich aber im Emons-Büro kurz umgeguckt, die vielen Ordner der anderen Krimis gesehen und beschlossen, dass ich ja von dem Team eines solchen Verlages auch was lernen kann – und mir angehört, was sie zu sagen haben. Die Folge: Der Krimi war erfolgreich, die Serie wurde fortgesetzt, und so ging es weiter. Nach einer Weile kamen zu den Bergischen Krimis „Rheintal-Krimis“ hinzu, denn ich bin in Koblenz aufgewachsen und habe in meinem Krimi „Schängels Schatten“ Erinnerungen aus meiner Jugend dort verarbeitet.

 

PS: Wie sieht dein (Schreib-)alltag aus und wie lange brauchst du, um ein Buch fertig zu schreiben?

OB: Ich arbeite immer früh morgens und schreibe täglich eine bestimmte Anzahl Seiten. Für die erste Fassung brauche ich etwa zwei Monate, wenn diese Fassung etwa 300 Seiten hat. Ab zehn Uhr beginne ich dann mit meinen sonstigen Arbeitsalltag, der dann so bis 20 Uhr dauert.

 

PS: Wie gehst du bei der Planung eines neuen Buches vor?

OB: Das Schreiben nimmt am wenigstens Raum ein, das wichtigste ist die Recherche, die Planung. Ich kenne das ganze Buch, bevor ich überhaupt einen Satz schreibe. Die Recherchen können sehr langwierig und chaotisch sein, das ist jedes Mal anders und hängt vom Thema ab. Jedenfalls habe ich alles, was mein Held an Schauplätzen sieht, auch gesehen. Meine Recherche ist in erster Linie Empirik. Ich versetze mich also in die Figuren hinein.

 

PS: Gibt es bestimmte Rituale, die du beim Schreiben einhältst?

OB: Die feste Seitenzahl am Tag, und das in der Frühe – ist das Ritual genug? Wenn ich innerlich Widerstände spüre, drehe ich eine Sanduhr um, die eine Stunde läuft (habe ich mir extra besorgt) und schreibe, so lange sie läuft ohne an etwas anderes zu denken. Als würde ich unter einer Glasglocke sitzen. Das hilft. Wenn ich irgendwann nicht mehr kann und aufblicke, ist die Uhr längst abgelaufen, und ich habe meine 5 Seiten. Sich komplett auf das Schreiben konzentrieren, wirklich nichts anderes an sich ran lassen, ist eh das Wichtigste.

 

PS: Wo schreibst du (am liebsten)?

OB: In meinem Büro, in dem dann nach dem Krimischreiben auch der eigentliche Beruf losgeht.

 

PS: Hast du ein bestimmtes Tagespensum oder setzt du dir bestimmte (Zwischen-)Ziele?

OB: Ja, siehe oben. 5 Seiten am Tag schaffe ich eigentlich ganz gut, manchmal auch mehr. Ich weiß dann auch zwischendurch immer ziemlich genau, wie lange ich für das Manuskript noch brauche. Nach meiner Erfahrung ist es das A und O für Autoren, die erfolgreich sein wollen, dass sie Termine einhalten können und langen Atem besitzen. Es ist letztlich wirklich Sitzfleisch und Durchhaltevermögen.

 

PS: Wird es bald einen neuen Krimi aus deiner Feder geben?

OB: Mitte Mai erscheint ein neuer Rott-Krimi. Er heißt „Neandermord“ und spielt im Neandertal. Die Planung geht aber noch weiter.

 

PS: Wieviel und wie lange recherchierst du für ein Buch? Und wie gehst du dabei vor?

OB: Auf jeden Fall dauert die Recherche länger als das Schreiben. Ich suche alle Orte auf, die der Held kennt und versuche mir dann die Geschichte auszudenken. Wenn die Geschichte steht, mache ich noch mal Nachrecherchen, um alles noch konkreter, farbiger werden zu lassen. Oft beginnen die Recherchen durchaus ein halbes Jahr bevor ich anfange zu schreiben. Der Ausgangspunkt kann sehr unterschiedlich sein: Eine interessante Figurenidee, ein interessanter Schauplatz, ein Ereignis, das mir in der Zeitung begegnet …

 

PS: Welche Reaktionen bekommst du von deinen Lesern?

OB: Mails und Briefe, Mitbringsel bei Lesungen. Wenn ich mal einen Ort nur beschrieben, aber nicht haargenau dessen Lage benannt habe, kommen Mails, in denen Mutmaßungen angestellt werden, wo das jetzt liegen könnte, und man will wissen, ob die Mutmaßung stimmt. Schüler haben über meine Krimis schon Arbeiten für den Deutschunterricht geschrieben und sogar die Handlungen analysiert.

 

PS: Du bist außerdem Herausgeber und Chefredakteur der TextArt, der ersten deutschen Fachzeitschrift zum Thema Schreiben. Wie kam es dazu?

OB: Als ich Ende der 90er ernst machen wollte mit dem Schreiben von Krimis (vorher war ich schon lange Journalist), beschäftigte ich mich mit dem Thema Kreatives Schreiben. Mir fiel auf, dass man das in Deutschland nicht so ganz ernst nahm. Viele meinen: Schreiben kann man, oder man kann es nicht. Dabei gibt es jeden Menge Hochschulen, an denen man zum Beispiel Komponieren studieren kann – auch eine Sache, zu der ja viel Talent gehört, die man aber lernen muss. Beim Schreiben ist es genauso. Ich merkte gleichzeitig, dass nach und nach viele Bücher zum Thema erschienen – zum großen Teil aus dem Amerikanischen übersetzt, denn in Amerika hat das Kreative Schreiben einen größeren Stellenwert als hier. Und dann merkte ich, dass es keine Zeitschrift zum Thema gab. Ich hätte gerne so eine Zeitschrift gelesen. Also suchte ich mir Partner und gründete eine. Und jetzt darf ich sie herausgeben und lerne auch noch dabei. Herrlich.

 

PS: Was machst du, wenn du gerade keine Krimis schreibst oder an der TextArt arbeitest?

OB: Das ist interessant: Die meisten glauben, ich würde in erster Linie Krimis schreiben oder TextArt machen, dabei sind beides nur Nebenjobs. Ich verdiene mein Geld seit Anfang der 90er Jahre als Musikjournalist, ich schreibe Bücher und Artikel über Klassische Musik, auch viele Einführungstexte für Konzert-Programmhefte usw. Das ist mein eigentlicher Beruf, obwohl die anderen Dinge ständig an Bedeutung gewinnen.

 

PS: Welchen Stellenwert haben Lesungen für dich und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

OB: Lesungen sind sehr wichtig, denn dort erlebe ich mein Publikum, meine Leserinnen und Leser. Man hat ja zu diesen Leuten paradoxerweise sonst keinen Kontakt, und ich genieße das daher sehr, mit ihnen zusammen zu sein.

 

PS: Was ist dein größter Traum?

OB: Da gibt es mehrere. Aber ich denke, ich teile mit allen Autoren den großen Traum, sehr große Unabhängigkeit zu besitzen, um noch mehr und bessere Bücher zu schreiben – ohne Ablenkung durch andere Dinge.

 

PS: Welchen Rat gibst du anderen, noch unbekannten Autoren?

OB: Durch die Schreibkurse, die ich hin und wieder leite, weiß ich, dass man keine allgemeinen Ratschläge geben kann. Jeder braucht etwas anderes. Ein allgemeiner Rat für die Verlagssuche wäre aber: Man muss sich im Klaren darüber sein, dass ein Manuskript, wenn man es einem Verlag anbietet, ein Produkt wird – mit allen wirtschaftlichen Konsequenzen. Man muss sich also fragen: Wem kann ich das überhaupt anbieten? Wer ist an so was interessiert? Welchen Stellenwert hat das auf dem Markt? Wer macht so etwas noch? Man muss sich über den Buchmarkt informieren, bevor man mit so was rauskommt. Ansonsten: Üben. Schreiben muss man lernen wie ein Musikinstrument.

 

PS: Welche Bücher liest du derzeit am liebsten?

OB: Andere aktuelle Krimis meiner Kollegen, aber oft entdecke ich auch Autoren anderer Genres für mich. Unter den aktuellen Kai Meyer oder Andreas Eschbach. Unter den älteren habe ich so meine Krimi-Klassiker, die mich auch sehr beeinflusst haben, und die ich gerne immer wieder lese: Georges Simenon, Elmore Leonard.

 

PS: Lieber Oliver Buslau, vielen Dank für dieses Interview!

Homepage von Oliver Buslau: www.oliverbuslau.de

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