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Interview mit der Autorin Helga Glaesener im Oktober 2007
Helga Glaesener, 1955 geboren, hat Mathematik studiert, ist Mutter von fünf Kindern und lebt mit ihrer Familie in Aurich, Ostfriesland. Bereits ihr erster Roman Die Safranhändlerin war ein großer Bestseller.
Petra Schier: Liebe Helga Glaesener, kürzlich ist dein neuer historischer Roman erschienen:
Wölfe im Olivenhain
Der Roman ist die Fortsetzung zu Wespensommer und spielt in der Toskana des 18. Jahrhunderts. Wie bist du zu diesem Thema gekommen? Was hat dich besonders daran gereizt?
Helga Glaesener: Die Toskana selbst gibt ja schon ein wunderschönes Ambiente, und auch die Italiener sind mir ans Herz gewachsen. Ein Besuch in der Toskana und der Fund eines Wespennestes in einer alten Stadtmauer gaben dann die zündenden Ideen.
PS: Du hast auch schon einige Romane geschrieben die im hohen bzw. späten Mittelalter spielen. Gibt es noch andere Epochen, die dich reizen?
HG: Ich habe einen Roman im Rom der Renaissance angesiedelt. Und drei Fantasyromane geschrieben. Was die Zukunft bringt, bleibt abzuwarten, aber am Ende hat jede Epoche ihre Herausforderungen und Reize. Da bin ich gar nicht festgelegt.
PS: Was ist dir an deinen Büchern besonders wichtig?
HG: Die Charaktere. Unbedingt. Wenn mich ein bestimmter Charakter fesselt, dann schaue ich, in welcher Zeit er sich an besten ansiedeln lässt – und danach richten sich die Plotideen. Es ist mir aber auch wichtig, dass ich für meine Romane eine unverbrauchte Besonderheit finde. Sei es nun der Beruf des Protagonisten – für den Giudice in „Wer Asche hütet“ hatte ich fantastisches Recherchematerial über die Arbeit eines Hafenrichters in Rom gegen Ende des 16. Jahrhunderts -, besondere Zeitgeschehnisse oder, wie beispielsweise bei der „Rechenkünstlerin“ ein aufregendes Umfeld wie die Heidelberger Universität 1389.
PS: Welche Reaktionen bekommst du von deinen Lesern?
HG: Lob und Tadel. Anerkennende Worte schätze ich wegen der profunden Urteilskraft des Absenders. Bei Verrissen murmele ich Flüche und stecke Nadeln in Wachspuppen.
PS: Wie viel und wie lange recherchierst du? Und wie gehst du dabei vor?
HG: Zu Beginn recherchiere ich in Bibliotheken und Internet. Für eine Plotidee entscheide ich mich erst, wenn ich dort ausgiebiges Material gefunden habe. Ich mag halt nicht gern flunkern. Dann reise ich an den Ort des Geschehens, wo sich immer weiteres Material findet. Alte Stadtpläne, haarsträubende Ereignisse, die nur noch in Archiven oder örtlichen Sagen auftauchen, reizvolle Orte … Und dann geht es los. Während des Schreibens ergeben sich natürlich immer wieder neue Fragen …
PS: Wie sieht dein Schreiballtag aus und wie lange brauchst du, um ein Buch fertig zu schreiben?
HG: Ich schreibe täglich – oder versuche es zumindest – und brauche etwa ein Jahr, um ein Buch fertig zu schreiben. Nach der Recherche, versteht sich. Aber natürlich hängt das auch vom Umfang ab und davon, wie sperrig sich meine Protagonisten verhalten.
PS: Du hast eine große Familie. Wie vereinbarst du dies mit deiner Arbeit an den Romanen, Lesereisen etc.?
HG: Meine Kinder sind inzwischen erwachsen und aus dem Haus. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich damit mehr Zeit zur Verfügung habe. Nun hat sich herausgestellt, dass ich entweder die Bude voller liebem Besuch habe oder selbst verreise, weil mich die Sehnsucht packt oder jemand krank wird oder ein Enkelchen kommt … Ich liebe das Schreiben ebenso wie meine Familie. Und so genieße ich einfach, was gerade anliegt.
PS: Du wirst von einem Agenten vertreten. Wie bist du mit ihm in Kontakt gekommen?
HG: Er hat ein Buch geschrieben. „Von der Buchidee zum Beststeller.“ Mir hat der Stil gefallen. Ehrlich, bedächtig, kompetent, freundlich. Also habe ich ihn angerufen. Unsere jetzt 17-jährige Zusammenarbeit hat sich als äußerst erfolgreich erwiesen.
PS: Welchen Rat gibst du anderen, noch unbekannten Autoren?
HG: Unbedingt Agentur. Es sei denn, sie heißen Paris Hilton oder Gerhard Schröder.
PS: Welche Bücher liest du derzeit am liebsten?
HG: Die Krimis von Fred Vargas.
PS: Liebe Helga Glaesener, vielen Dank für dieses Interview!
Homepage von Helga Glaesener: www.helga-glaesener.de
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