Petra Schier

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Interview mit dem Autor Harald Schneider im März 2007

Harald Schneider, 62er Jahrgang, der im Rhein-Neckar-Dreieck bei Ludwigshafen wohnt und aufgewachsen ist, begann bereits während seines Studiums zu schreiben. Zunächst für diverse Studentenzeitungen, im Laufe der Zeit folgten immer mehr Kurzkrimis- und Geschichten für die "Yellow-Press".
Beruflich arbeitet er heute als Betriebswirt in einem Medienkonzern und beschäftigt sich dort mit Strategieplanung im Verlagswesen.
Seit der Geburt seiner drei Kinder (Jahrgang 1994 - 2000) beschäftigt er sich intensiv mit Kinderratekrimis und Detektivgeschichten.
Seine interaktiven Kinder- Krimis "Die Meisterschnüffler" beigeistern seit 2004 ganze Scharen von jungen Lesern.
Seine Mitratekrimis "Die wilden Vier" bieten den jungen Lesern spannende Unterhaltung und knifflige Fragen, deren Beantwortung nur durch aufmerksames Lesen und einige Kombinationsgabe möglich ist.
 

Petra Schier: Lieber Harald Schneider, mittlerweile sind vier Kinder-Mitratekrimis von Ihnen erschienen, zwei weitere folgen noch in diesem Frühjahr:

Die Meisterschnüffler, Band 1: Abenteuer in der Burgruine
Die Meisterschnüffler, Band 2: Vulkansee in Gefahr
Die Meisterschnüffler, Band 3: Auf Geisterjagd

Die wilden Vier und die geheimnisvolle Botschaft (Band 1)
Die wilden Vier und der Schatz im Rathauskeller (Band 2)
Die wilden Vier und das Geheimnis der Papageien (Band 3)

Warum schreiben Sie ausgerechnet Kinderkrimis?

Harald Schneider: Schon als Kind habe ich die “5 Freunde“ von Enid Blyton verschlungen und mir vorgenommen, ebenfalls solche spannenden Geschichten zu schreiben, wenn ich groß bin. In der Schule habe ich schon immer gerne Aufsätze geschrieben, auch wenn die Lehrer nicht immer von der Qualität so überzeugt waren. Trotz allem habe ich dann zunächst lustige Geschichten für Schüler- und Studentenzeitungen geschrieben und mir später sogar mit Kurzkrimis das Studium finanziert. Als 1994 mein erstes Kind geboren wurde, kam der Gedanke mit den Kinderkrimis wieder auf und wurde in die Tat umgesetzt.


PS: Bei den „Meisterschnüfflern“ handelt es sich um interaktive Krimis, bei denen der Leser nach jedem Abschnitt selbst entscheiden muss, wie die Geschichte weitergehen soll. Die „wilden Vier“ sind klassische Mitratekrimis, bei denen nach jedem Kapitel eine Frage gestellt wird. Warum haben Sie sich für solche interaktiven Geschichten entschieden?

HS: Ich wollte Geschichten schreiben, die sich von der Masse abheben. Die Idee der interaktiven Geschichten stammt zwar nicht von mir, ich habe aber dennoch das Konzept verfeinert. Zum einen erreichen die Meisterschnüffler mit jeweils rund 12 Billionen Lesevarianten eine bisher unbekannte Dimension, zum anderen schafft das integrierte Punktsystem einen zusätzlichen Anreiz, genau zu lesen, genau zu überlegen und bis zum Ende durchzuhalten.

Je nach gewähltem Abschnitt bekommt der Leser, der in die Rolle des Protagonisten Schnüffelnase schlüpft, wertvolle Intelligenzpunkte, Tapferkeitspunkte oder abwertende Angstpunkte. An vier Stellen innerhalb des Buches wird der Leser stufenweise vom Detektiv bis zum Meisterdetektiv befördert, wenn er eine vorgeschriebene Mindestpunktzahl erreicht.

Nach einer erfolgreichen Beförderung zum Meisterdetektiv, kann der Leser sich mit einer dem Buch beiliegenden Karte beim Verlag einen kostenlosen Detektivausweis bestellen.


PS: Was ist Ihnen an Ihren Büchern besonders wichtig?

HS: Die Bücher müssen ab der ersten Seite Spannung aufbauen. Karl May Bücher, die mit 40 Seiten Landschaftsbeschreibung beginnen, werden heutzutage von Kinder und Jugendlichen nicht mehr gelesen. Es muss ständig etwas passieren. Aus diesem Grund ist mir auch wichtig, dass die Bücher zu Ende gelesen werden und Lust auf „Mehr“ machen. Außerdem sollen die Leser nicht nur passiv ein Buch lesen, sondern selbst ein Teil der Geschichte werden und ihr eigenes Abenteuer erleben.  Bei den Meisterschnüfflern ist der Leser sogar selbst die Hauptfigur. Auch bei den wilden Vier muss der Leser mitdenken und die Rätselfragen beantworten. Nur so kann er mit dem nächsten Kapitel fortfahren. Die vielen lustigen Passagen und nicht zu vergessen die beiden obligatorischen (harmlosen) Schülerstreiche in jedem Wilden-Vier-Band sollen auch zum Nachahmen anregen.
 

PS: Welche Reaktionen bekommen Sie von Ihren Lesern? Wie sind Ihre Erfahrungen mit Lesungen?

HS: Mit meinen ungewöhnlichen Lesungen renne ich offene Türen ein. Zu Beginn der Lesung sage ich immer, dass ich nicht gekommen bin, um Bücher vorzulesen. In der Tat sind die Schüler eine Art kollektive Hauptfigur, sie bestimmen durch demokratische Wahl (Handabstimmung), wie die Geschichte weitergeht. Ich bin dann nur ausführendes Organ, der den gewählten Abschnitt vorliest. Durch den Variantenreichtum der Meisterschnüffler ergibt das bei jeder Lesung eine komplett andere Geschichte. Die Mitmachquote unter den Schülern beträgt nur sehr selten unter 100%. Wenn ich zum Schluss der Lesung dann noch einen der selbst erlebten Schülerstreiche aus den Wilden-Vier-Bänden vorlese, dann kocht der Saal.

Übrigens halte ich alle Lesungen im Stehen ab. Einen evtl. vorhandenen Tisch schiebe ich vor Beginn stets zur Seite. Ich entferne sozusagen die Barrieren zwischen meinen „Kunden“. Ich bin ständig in Bewegung und setze die einzelnen Leseabschnitte auch in Gestik und Mimik um.


PS: Die „wilden Vier“ sind immer in Ludwigshafen angesiedelt. Wie sind Sie ausgerechnet auf diesen Schauplatz gekommen?

HS: Ich habe 13 Jahre in Ludwigshafen gewohnt, meine Kinder sind dort auf die Welt gekommen. Ludwigshafen ist nicht nur einfach eine Chemiestadt, sie hat unheimlich viel zu bieten und ist sehr vielfältig. Selbst die im ersten Band beschriebenen Geheimgänge unter dem Schulhof, gibt es tatsächlich. Es handelt sich um Fluchtstollen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges.


PS: Wie viel und wie lange haben Sie für die Bücher jeweils recherchiert? Und wie sind Sie dabei vorgegangen?

HS: Bei den Meisterschnüfflern, die in der Eifel spielen, kann ich auf die eine oder andere Urlaubserinnerung zurückblicken. Ansonsten recherchiere ich inzwischen viel im Internet, speziell in Wikipedia oder auf touristischen Seiten.

Bei den wilden Vier habe ich bereits einige Kindheitserlebnisse mehr oder weniger en passant eingebaut. Ansonsten lebe ich ja vor Ort, da die Geschichten in Ludwigshafen und Umgebung spielen. Die Recherchedauer eines Buches lässt sich nicht beantworten. Das fängt irgendwann ganz unbestimmt an und entwickelt sich mit der Zeit immer detaillierter. So spuken in meinem Kopf schon die Ideen für die nächsten fünf bis acht Bände herum.


PS: Gerade die interaktiven Krimis sind bestimmt nicht leicht zu konzipieren. Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Wie lange brauchen Sie, um ein Buch fertig zu schreiben?

HS: In der Tat ist die Konzeption recht aufwändig. Zuerst lege ich schriftlich einen groben Plan der vier Kapitel fest. Danach erarbeite ich auf der Rückseite von Tapetenresten die verschlungenen Pfade der einzelnen Kapitel. Hierbei muss ich darauf achten, das ich keine Sackgassen oder Endlosschleifen einbaue (von Irrgärten mal abgesehen). Wenn der Plan vollendet und überprüft ist, übertrage ich alles am Computer in Excel. Hier vergebe ich dann die einzelnen Abschnittsnummern und installiere das Punktesystem. Das Punktesystem mit den Intelligenz-, Tapferkeits- und Angstpunkten wird so ausgelegt, dass der Leser fast immer die Mindestpunktzahl erreicht. Dadurch will ich unnötigen Lesefrust vermeiden.

Erst danach fange ich an, die Geschichte zu schreiben. Hierfür benötige ich dann ungefähr drei Monate.

Bei den “wilden Vier“ kann ich auch nicht so einfach drauf los schreiben. Jedes Kapitel endet hier mit einer Detektivfrage. Diese muss ich also in das jeweilige Kapitel einbauen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, sich eine passende Detektivfrage für die fortlaufende Geschichte auszudenken.


PS: Werden Sie dem Genre Kinderkrimi treu bleiben oder wird es in Zukunft auch Krimis für Erwachsene von Ihnen geben?

HS: Ohne Frage bleibe ich dem Genre Kinderkrimi treu und hoffe auf ein langes Leben der Meisterschnüffler und der wilden Vier. Anfang 2008 werde ich im Verlag an der Ruhr den ersten Sudoku-Krimi veröffentlichen. Hier müssen die Kids in bestimmten Abständen Sudokus lösen, damit sie das folgende Kapitel richtig lesen zu können.

Weiterhin laufen zurzeit erste Verhandlungen bezüglich einer Abenteuergeschichte für Erstleser mit dem Titel „Piratenritter Valentin“.

Auch für Erwachsene habe ich etwas zu bieten. Schließlich habe ich schon mit Kurzkrimis einen Teil meines Studiums finanziert. Im Februar 2008 erscheint im Regionalkrimi-Verlag Gmeiner mein erster Pfalzkrimi „Ernteopfer“ mit dem Protagonisten Reiner Palzki. Leser der Regionalzeitung “Die RHEINPFALZ“ konnten schon mehrere Kurzkrimis mit Reiner Palzki lesen. Im Moment schreibe ich am zweiten Palzki-Krimi “Kinderschmerz“.


PS: Welche Bücher lesen Sie derzeit am liebsten?

HS: Im Moment sind es eher Fachzeitschriften für Garten und Außenanlagen, da meine Familie und ich vor einem guten Jahr umgezogen sind und der Außenbereich noch stark nach Baustelle aussieht.

Mein Lieblingsbuch ist “Sofies Welt” von Jostein Gaarder. Als Kind waren die “5 Freunde“ von Enid Blyton und die “Schreckensteiner“ von Oliver Hassencamp meine Favoriten. Beide Serien sind nach wie vor vollständig in meiner Privatbibliothek vertreten.


PS: Lieber Herr Schneider, vielen Dank für das Interview!

Homepage von Harald Schneider. www.palzki.de

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