Petra Schier

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Interview mit Gabriela Galvani im August 2009

Petra Schier: Liebe Gabriela Galvani,
du schreibst historische Romane, zuletzt ist von dir erschienen:

Die Seidenhändlerin

Worum geht es in dem Roman?

Gabriela Galvani: Die Geschichte beginnt während Napoleons Italien-Feldzug 1797 und spielt in Como, der berühmten Seidenstadt, und im Tessin. Vor dem Hintergrund der Napoleonischen Kriege, die zu einem großen Teil in Norditalien und der Schweiz ausgetragen wurden, erzähle ich die Liebesgeschichte zwischen eben der Seidenhändlerin und einem Zeitungsverleger aus Lugano. Es geht aber auch um Loyalität, Freundschaft, Familie und um die Selbstverwirklichung von Frauen. Und es ist die Geschichte der Gründung des Kantonsstaates Schweiz, wie wir ihn heute kennen.
 

PS: Warum schreibst du ausgerechnet historische Romane? Wie bist du dazu gekommen?

GG: Ich liebe altes Papier und alte Geschichten.  Der Film „Vom Winde verweht“ und anschließend die Lektüre des Romans machten einen nachhaltigen Eindruck auf mich, als ich ein Teenager war. Und dann liebte und liebe ich noch heute die historischen Romane von Daphne du Maurier. So etwas schreiben zu können, war und ist mein Lebenstraum. Mit etwa 14 Jahren schrieb ich meinen ersten historischen Roman, der jedoch nie erschienen ist, aber es war immerhin ein Anfang. Allerdings muss man einschränkend sagen, dass ich aus einer Künstlerfamilie stamme und schon als Kind viel mit Kino und Fernsehen zu tun hatte, deshalb ist der grundsätzliche Wunsch, Geschichten zu erzählen, nicht ganz so abwegig.
 

PS: Schreibst du auch noch in anderen Genres und/oder unter Pseudonym?

GG: Gabriela Galvani ist ein Pseudonym. Mein Verlag wollte gerne einen anderen Namen als meinen eigenen haben, also habe ich mir einen ausgedacht, bei dem mir mein Mann behilflich war. Ich heiße – wie er – Gabriel mit Nachnamen und daraus haben wir Gabriela gemacht; irgendwann meinte mein Mann dann aus irgendeinem Grund, man müsste mich mit Gold aufwiegen – wir haben uns für Vergolden entschieden, also Galvanisieren. So wurde Gabriela Galvani geboren.

Bislang schreibe ich noch nicht in anderen Genres, aber ich würde mich gerne mal an einem zeitgenössischen Krimi versuchen.


PS: Was ist dir an deinen Büchern besonders wichtig?

GG: Die Authentizität. Der  Leser oder die Leserin soll das Gefühl haben, in die Zeit eintauchen zu können, in der mein Roman spielt. Und Unterhaltung ist mir wichtig. Ich verfasse keine hochgestochene Literatur, meine Bücher sollen unterhalten. Das bedeutet nicht, dass sie deshalb minderwertig sind, Gott bewahre, man kann ja auch versuchen, gute Unterhaltung zu machen.
 

PS: Welche Reaktionen bekommst du von deinen Lesern?

GG: Wenn jemand sagt, er habe bei der Lektüre „eintauchen können in eine andere Welt“ bin ich unendlich stolz, denn genau das will ich erreichen.
 

PS: Wie hast du einen Verlag für dein erstes Buch gefunden? Und wie ging es danach weiter?

GG: Wie gesagt, mit dem allerersten historischen Roman klappte es nicht. Meine erste Buchveröffentlichung dauerte. Ich habe in der Zwischenzeit für die Printmedien gearbeitet und hatte durch Kollegen Kontakte zur Buch-Branche. Irgendwann lernte ich dann durch die Vermittlung einer befreundeten Kollegin einen namhaften Agenten kennen, den ich von meinen Ideen überzeugen konnte. Der brachte einen Stoff beim Aufbau-Verlag unter. Ich hatte dann das Glück, mit meinem Lektor dort sehr gut zusammenzuarbeiten, was die Zukunftsplanung deutlich erleichterte.
 

PS: Wie sieht dein (Schreib-)alltag aus und wie lange brauchst du, um ein Buch fertig zu schreiben?

GG: Ich bin wahnsinnig pragmatisch, wenn’s um’s Arbeiten geht. Mein Traum wäre zwar, mich wie weiland Hemingway ins Café Deux Magots in Paris zu setzen und dort zu dichten, aber das geht schon allein deshalb nicht, weil ich nicht gerne mit der Hand schreibe und Laptops nicht mag. Ich brauche meinen Schreibtisch und einen Standrechner. An selbigen setzte ich mich nach der langen Morgenrunde mit meinem Hund und der ersten Kanne Tee. Mit anderen Worten: Ich bin ein Vormittags-Schreiber. Am besten kann ich zwischen 10.00 und 14.00 Uhr denken. Danach wird es dann langsam schwierig.

Der zweite Teil der Frage ist schwierig zu beantworten, weil das variiert und vom Thema bzw. der Recheche-Intensität abhängig ist. Die reine Schreibarbeit für „Die Seidenhändlerin“ dauerte etwa ein halbes Jahr, aber hier brauchte ich weniger Recherchen, zumindest was die geografische Seite anging, da ich fast mein ganzes Leben lang mit einem Standbein im Tessin war.
 

PS: Gibt es bestimmte Rituale, die du beim Schreiben einhältst?

GG: Nein, eigentlich nicht. Ich trinke sehr viel Tee, keinen Kaffee, aber das tue ich auch, wenn ich nicht schreibe. Ich lege manchmal eine CD mit Musik aus der jeweiligen Zeit ein, in der mein Roman spielt - das hilft mir, in die Zeit einzutauchen oder etwa eine Ball- und Tanzszene sozusagen originalgetreu zu schreiben.
 

PS: Wo schreibst du (am liebsten)?

GG: In meinem Arbeitszimmer.
 

PS: Hast du ein bestimmtes Tagespensum oder setzt du dir bestimmte (Zwischen-)Ziele?

GG: Nein, ich sehe nur das Endziel, die Frist, also den Abgabetermin, der in meinen Verträgen steht. Grundsätzlich schreibe ich nach Tagesverfassung, manchmal ist das mehr, an einem anderen Tag weniger. Kreativität kann man meiner Meinung nach nicht erzwingen.
 

PS: Wie viel und wie lange recherchierst du für ein Buch? Und wie gehst du dabei vor?

GG: Es gibt die Faustregel, dass man für einen historischen Roman etwa zwanzig Bücher gelesen haben muss – und das trifft sicher zu, auch wenn ich das nicht zähle. Wenn ich eine Idee entwickle und ein Expose schreibe, basiert das jedoch auf weniger Literatur. Je nach Anfangsbedarf besorge ich mir erst eine Handvoll Basisliteratur, wird das Projekt spruchreif, also habe ich einen Vertrag, taste ich mich weiter vor.
 

PS: Welchen Stellenwert haben Lesungen für dich und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

GG: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein persönlicher Kontakt in jeder Lebenslage wichtig ist. Man muss Menschen sehen und mit ihnen reden, dann kann man vieles besser beurteilen. So ist das auch mit Lesungen. Der Kontakt zu Lesern ist mir wichtig.
 

PS: Was machst du, wenn du gerade nicht an einem Buch schreibst?

GG: Mit meiner erwachsenen Tochter telefonieren, die in Berlin lebt, mit meinem Hund spazieren gehen, Shoppen, Kochen, neuerdings wieder öfter mit meinem Mann ins Theater gehen. Ich bin ein barocker Genussmensch und tue daher alles gerne, was die Sinne befriedigt.
 

PS: Können sich deine LeserInnen bald auf einen weiteren Roman aus deiner Feder freuen?

GG: Im Frühjahr 2010 erscheint im Aufbau-Verlag „Die Hüterin des Evangeliums“, die Geschichte einer jungen Witwe, die während der Verhandlungen zum Augsburger Religionsfrieden 1555 einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur kommt.
 

PS: Was ist dein größter Traum?

GG: Einen richtig tollen Bestseller zu haben. Genau genommen: Ich würde gerne mal in ein Zugabteil oder in ein Flugzeug steigen und dort jemanden sitzen sehen, der einen Roman von mir liest. Das ist aber leider schon allein deshalb relativ unwahrscheinlich, weil ich auch auf weiten Strecken meistens mit dem Auto unterwegs bin, da ich so gut wie nie ohne meinen Hund reise.
 

PS: Welchen Rat gibst du anderen, noch unbekannten Autoren?

GG: Lesen, lesen, lesen. Ich hatte in den vergangenen Monaten zufälligerweise viel Kontakt zu Anfängern und habe gesehen, dass es für manche Leute nicht selbstverständlich ist, Konkurrenzbeobachtung zu betreiben. Aber hallo, wenn ich ein Parfüm kreieren möchte, schnuppere ich doch auch erst mal an den Düften, die bereits auf dem Markt sind. Abgesehen davon kann man von Kollegen nur lernen, Gutes wie weniger Gutes.
 

PS: Welche Bücher liest du derzeit am liebsten?

GG: Privat lese ich gerne Krimis, die nicht zu blutrünstig sind. Detailliert beschriebene Meuchelmorde mag ich nicht. Agatha Christie ist also durchaus mein Fall. Aus Gründen der Konkurrenzbeobachtung lese ich aber sehr viele historische Romane, wobei ich darauf achte, dass das Buch, das ich im Bett lese, jeweils in etwa in der selben Zeit spielt wie das Buch, an dem ich gerade am Schreibtisch sitze. Als ich „Die Seidenhändlerin“ schrieb, habe ich deshalb keine Mittelalter-Romane gelesen.


PS: Liebe Gabriela Galvani, vielen Dank für dieses Interview!

Homepage der Autorin: www.gabrielagalvani.de

 

 

 

 

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