Petra Schier

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Interview mit Arnold Küsters im August 2009

Der Lambertimord (2005)
Maskenball (2006)
MK Bökelberg (März 2008)

Petra Schier: Worum geht es in deinen Büchern?

Arnold Küsters: Es geht vor allem um die Frage: Was bringt einen Menschen dazu ein Verbrechen zu begehen. Die Beschreibung der Tat ist für mich eher zweitrangig. Obwohl ich sie so genau wie möglich schildere, selbst wenn das an die Schmerzgrenze gehen sollte.
In "Der Lambertimord" geht es nur vordergründig um ein außereheliches Liebesverhältnis. In "Maskenball" geht es um die Frage, ob Senioren auch Mörder sein können. In "MK Bökelberg" dreht sich vieles um Fußball, aber die wahre Geschichte steckt hinter den Fußballtribünen. 
 

PS: Warum schreibst du ausgerechnet Krimis? Wie bist du dazu gekommen?

AK: Schreiben wollte ich schon immer. Als Journalist habe ich in den vergangenen fast 25 Jahren viel bei Gericht gesessen, und irgendwann musste die Eindrück dann mal "raus". Außerdem ist die Form des Krimis bestens dazu geeignet, um die Zustände einer Gesellschaft zu schildern. In meinen Büchern geht es daher auch immer um eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen. 
 

PS: Schreibst du auch noch in anderen Genres?

AK: Früher habe ich auch Prosatexte für den Hörfunk geschrieben, ein Text ist in der ZEIT erschienen: Die Postkarte. In den 80er Jahren habe ich Lyrik verfasst und gehörte 1983 (glaube ich) zu den zehn besten Lyrikern, ausgewählt von der Jury des Wettbewerbs "Lyrik in NRW".
 

PS: Was ist dir an deinen Büchern besonders wichtig?

AK: Meine Bücher sollen in erster Linie unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger. 
 

PS: Welche Reaktionen bekommst du von deinen Lesern?

AK: Die Reaktionen sind sehr vielfältig und vor allem liebenswert. Einziger Kritikpunkt bisher: Die zu kleine Schrift in meinen Büchern. Aber das wird sich ändern. Ich bekomme viele positive Mails, die mich auch ein Stück verlegen machen, da ich gerne hinter meine Bücher zurücktrete. Ein sehr besondere Reaktion habe ich bei einer Lesung in der JVA Willich-Anrath bekommen. Dort meinte einer der einsitzenden Häftlinge: Ihre Schilderung gerade war mir zu brutal. Der Mann hatte sicher recht, aus seinem Munde hätte ich diese Reaktion allerdings nicht erwartet. Das zeigt mir aber, dass ich in mancherlei Hinsicht und durchaus immer noch voller Vorurteile stecke.
 

PS: Wie hast du einen Verlag für dein erstes Buch gefunden? Und wie ging es danach weiter?

AK: Ich bin auf einer Lesung von dem Verleger Matussek angesprochen worden. Zuvor habe ich mehrere Jahre vergeblich einen Verlag für mein erstes Manuskript zu interessieren versucht. Nach der Zusage von Fabian Matussek war das Buch in vergleichsweise kurzer Zeit auf dem Markt.
 

PS: Wie sieht dein (Schreib-)alltag aus und wie lange brauchst du, um ein Buch fertig zu schreiben?

AK: In aller Regel brauche ich ein gutes Jahr, um ein Manuskript abzuschließen. Das liegt auch daran, dass ich als Journalist meine Brötchen verdiene und nicht ausschließlich an meinen Romanen schreiben kann. Es gibt keinen echten Schreiballtag. ich schreibe dann, wenn ich die Zeit dazu finde. Das ist manchmal vormittags, manchmal abends, manchmal ein ganzes Wochenende, oft nur wenige Stunden. Das ist manchmal echt nervig.
 

PS: Gibt es bestimmte Rituale, die du beim Schreiben einhältst?

AK: Ja, es gibt ein Ritual: Mein Schreibtisch muss absolut aufgeräumt sein. Nur mein PC und ich, quasi. Dafür sieht es dann in meinem Rücken entsprechend chaotisch aus.
 

PS: Wo schreibst du (am liebsten)?

AK: In aller Regel in meinem Arbeitszimmer, selten auf der Terrasse, dann in meinen Urlauben, und manchmal (einmal im Jahr) in einem kleinen Hotel im Badischen.
 

PS: Hast du ein bestimmtes Tagespensum oder setzt du dir bestimmte (Zwischen-)Ziele?

AK: Nein, ein bestimmtes Tagespensum habe ich nicht. Ich freue mich, wenn ich pro Tag 5 Normseiten schaffe. Oft sind es weniger, selten auch schon mal zehn Seiten.
 

PS: Wie viel und wie lange recherchierst du für ein Buch? Und wie gehst du dabei vor?

AK: Ich recherchiere relativ wenig, glaube ich. Das liegt daran, dass ich durch meine journalistische Arbeit vieles kenne. Ich stelle aber fest, dass ich von Buch zu Buch mehr recherchiere. Nicht, weil mir die Themen ausgehen, sondern weil ich mich an immer schwierigere Themen heran wage. Ich nutze das Internet zur Recherche (wie bequem), aber auch meine vielen guten Kontakte zur Polizei. Mal eben bei der Leitstelle anrufen - kein Problem.
 

PS: Welchen Stellenwert haben Lesungen für dich und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

AK: Lesungen haben einen sehr hohen Stellenwert für mich. Denn da ist die seltene Gelegenheit direkt auf meine Leser zu treffen. ich möchte möglichst viel von ihnen erfahren. Und ihre Fragen zeigen mir oft wo meine Schwächen sind, wo etwas unklar geblieben ist, usw. Insofern lerne ich viel von meinen Lesern. Das ist sehr schön.
 

PS: Was machst du, wenn du gerade nicht an einem Buch schreibst?

AK: Ich bin dann vor allem mit meiner Familie zusammen. Und ich spiele in der Rockband STIXX die Bluesharp. Wir sind ziemlich gut - sagen die Zuschauer und auch die Techniker, auf die wir bei den unterschiedlichsten Auftritten treffen. (Und ein Lob eines Tontechnikers ist schon etwas sehr Besonderes. Sie hören qua Beruf die unterschiedlichsten Bands und können das jeweilige Können ziemlich gut einschätzen. www.stixx-online.de.)
 

PS: Was ist dein größter Traum?

AK: Ich würde gerne mit meiner Band großen Erfolg haben, inkl. Europatournee. :-) Aber dazu fehlt dann doch der Bekanntheitsgrad. Ja, und ich möchte natürlich mit meinen Büchern weiterhin die Leser gut unterhalten können. 
 

PS: Welchen Rat gibst du anderen, noch unbekannten Autoren?

AK: Immer dran bleiben, nicht aufgeben. Absagen haben selten mit der eigenen Person zu tun. Oft passt das MS einfach nicht ins Verlagsprogramm.
 

PS: Welche Bücher liest du derzeit am liebsten?

AK: Das ist eine schwierige Frage. Ich lese nicht nur Krimis. Es gibt eine Menge guter Autoren, aber ich habe viel zu wenig Zeit. Derzeit sammle ich alte Comics: Tibor un d Falk haben es mir dabei besonders angetan. beim Schmökern dieser Groschenheftchen kann ich entspannen.
 

PS: Lieber Arnold Küsters, vielen Dank für dieses Interview!

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